
Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche:
Die
Rückkehr des Lebens
Spätestens jetzt ist es klar: Der Frühling ist wirklich da und die Kraft der Sonne kann durch nichts mehr aufgehalten werden. Auch wenn es ab und zu noch schneien kann und die Luft noch recht kalt ist - der weite Weg vom tiefen Winter zum blühenden Frühling ist geschafft!
Der Schnee ist fast überall geschmolzen und gibt die erwachende Erde frei. Vogelgezwitscher, die ersten Knospen, dieses besondere Licht im März, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen – all dies symbolisiert die Wiedergeburt der Natur aus dem langen Schlaf des Winters, das Erwachen der lebensspendenden Kräfte, den Neubeginn.
Ab nun werden die Tage länger und die Nächte kürzer. Der 21. März ist damit ein wunderbarer Punkt im Jahreslauf. Es ist die Zeit des Gleichgewichts. Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht - an diesem Tag ist alles ausgewogen. Eine gute Zeit, um ein kraftvolles und sinnesfreudiges magisches Fest zu feiern und sich damit in die Tradition vieler alter Kulturen einzuklinken. Denn dieser Wendepunkt, von dem an die Tage wieder länger wurden, wird seit jeher gefeiert.
Sinnbild dieses Festes ist Ostara, die keltisch-germanische Frühlingsgöttin. Ihr Fest findet entweder am 21. März zur Tag- und Nachtgleiche oder beim ersten Frühlingsvollmond statt.
Zyklische
Wiedergeburt oder einmalige Auferstehung ?
Von diesen Festen, in denen nach dem langen entbehrungsreichen Winter die „Wiedergeburt“ und die „Auferstehung“ der Natur, die stärker werdende Sonne, die Wärme, das Licht und die Lebenskraft gefeiert wurde, ist das christliche Ostern abgeleitet. Aus der zyklischen Wiedergeburt der Natur machte das Christentum das einmalige Ereignis der Auferstehung des Gottessohnes, aus der periodischen Erlösung von Dunkelheit und Frost die dauernde Aussicht auf Erlösung von Erbsünde.
Dieser Mythos rund um Tod und Auferstehung ist allerdings nicht die Erfindung des Christentums, er existierte bereits in vielen sehr älteren religiösen Kulten, an denen sich die christlichen Kirchenväter stark orientiert haben.
So ist er aus Mithras-Kult bekannt. Auch Mithras war ein Gott, der bereits im starb und zu Frühlingsbeginn aus ein er Felsenhöhle auferstand. Sogar eine Eucharistiefeier kannten die AnhängerInnen des Mithras-Kultes, der von Kleinasien aus bald in ganz Europa, vor allem im römischen Reich sehr verbreitet war. Da er eine sehr starke, schon sehr viel ältere Konkurrenzreligion zum Christentum war (belegt seit dem 14. vorchristlichen Jahrhundert), war die Kirche gezwungen, ganz viel davon zu übernehmen, wie sie es ja eigentlich überall gemacht hat.
Noch weiter zurück liegt der Kult von Dumuzi bzw. Tammuz, einem Vegetationsgott (siehe auch Astarte, Ischtar bzw. Inanna). Dieser stirbt im Laufe der Jahreszeiten und wird wiedergeboren, bzw. steigt er in die Unterwelt zur Unterweltsgöttin und aus dieser zu Beginn der warmen Jahreszeit wieder empor.
Der Fisch-Sohn, der nichts von einem Vater weiß
In den Uruk-Tafeln des Gilgamesch-Epos wird Tammuz als "Fisch-Sohn, der nichts von einem Vater weiß" bezeichnet! (vgl. Jesus), was auch erklärt warum der "Fisch" schließlich als Tammuz-Zeichen in der ganzen alten Ökumene Verbreitung fand. Im babylonischen Mysterienkult war Tammuz zugleich Sohn und Geliebter der Astarte-Ischtar. Er wurde auf übernatürliche Art und Weise gezeugt und starb eines gewaltsamen Todes. Doch man hoffte auf seine Auferstehung. Alljährlich wurde Tammuz in Gestalt eines Lammes als Sohn des heiligen Mutterschafes geopfert. Auch hier wieder eine starke Parallele zu Jesus, der ja auch das "Lamm Gottes" genannt wird.
Sein Name DUMU.Zi bedeutet "Sohn (DUMU) des Lebens (ZI)" oder auch "Sohn der Auferstehung". Wieder eine unglaubliche Ähnlichkeit zu Jesus. Eine weitere Bedeutung seines Namens ist "Same des Lebens".
Speziell in geographischen Gebieten, in denen der Winter eine harte Zeit voll der Prüfungen und Entbehrungen war, feierte man jedoch vor allem die Wiederkehr der fruchtbaren Muttergottheit auf die Erde. Welch ein Wunder immer noch, dass in weiblichen Menschen und Tieren neue Wesen reifen und von ihnen geboren werden, und dass „Mutter Erde“ plötzlich die ersten Schneeglöckchen durch die Eiskruste und die Schneedecke schickt und innerhalb kurzer Zeit alles blüht und zu neuem Leben erwacht.
Die Verehrung der Göttin wurzelte so tief, dass die katholische Kirche ihr größtes Fest – die Auferstehung – im Jahr 325 Konzil von Nizäa auf den Zeitpunkt der alten Ostara-Rituale legte (stets am 1. Sonntag nach dem 1. Frühlingsvollmond) und mit „Ostern“ diesem Fest auch den Namen der Göttin gab. Das Fest des Frühlingsbeginns wurde von je her als Vollmondfest gefeiert. Ostern ist ja auch tatsächlich das einzige der ins Christentum übernommenen Feste, das immer noch nach der Mondphase festgelegt wird. Ostersonntag ist immer der erste Sonntag, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Im christlichen Osterfest, wie wir es kennen, sind noch viele Bräuche der alten Göttinnen-Verehrung erkennbar.
Ei und Hase
Die Attribute der Göttin Ostara - das Ei und der Hase gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbole.
Da die Vogelwelt in der Winterzeit keine Eier legen, galt der Beginn des neuen Eierlegens als sicheres Zeichen für den Frühling, für die neu beginnende Fruchtbarkeit. Eine Henne legt nämlich dann Eier, wenn ihre Retina, also jener Teil des Auges, der das Licht einfängt, mehr als 12 Stunden am Tag von Licht stimuliert wird (heuer wird im Winter mit künstlichem Licht nachgeholfen, früher konnten sich die Menschen nur im Frühling und Sommer von Eiern ernähren). Die früher nicht eingesperrten Hühner legten diese ersten Eier natürlich irgendwo in der Gegend ab, also blieb den Menschen nichts anderes übrig, als diese zu suchen. So ist der Brauch des Eiersuchens entstanden. Und auch die Zugvögel kommen nun zurück und legen hier Eier. Das Fest des Frühlingsbeginns wurde früher auch Vogelfest genannt. Die Menschen gingen jeden Morgen hinaus um zu sehen, ob die Zugvögel schon angekommen waren. Wurden sie gesichtet, so konnte ausgiebig das Ende des Winters gefeiert werden.
Junge Frauen bemalten diese ersten Eier rot, um ihre Fruchtbarkeit zu feiern. Rot ist die Farbe des Blutes - die Göttin entfaltet von nun an ihren roten Aspekt wird fruchtbar und schließlich Mutter. Dieser Brauch des Eierfärbens hat sich bis heute gehalten. Traditionell werden zu Ostara auch süße Brote gebacken, die in der Mitte einen Einschnitt haben und in die ein rotes (fruchtbares) Ei gelegt wird. Dieser Einschnitt symbolisiert die Vulva, als Symbol der Fruchtbarkeit. Geflochtene Teigzöpfe stellen die Trinität der Göttin dar (Jungfrau, Mutter und Alte).
Das Färben der Eier hatte in der christlichen Überlieferung auch einen sehr praktischen Hintergrund:
In der Fastenzeit war de r Verzehr von Eiern verboten. Sie wurden zwecks Aufbewahrung gekocht und mit einer Farbe gekennzeichnet. Erst am Ostersonntag durften die auf diese Weise gefärbten Eier gegessen werden.
In vielen Kulturen gibt es die Legende, dass zu Beginn aller Zeiten die Große Göttin das Weltenei bzw. gleich mehrere Eier gebar, selbst einem Ei entstieg bzw. Eier hütete: Vgl. dazu Arikina, Atargatis, Eurynome, Ilmatar oder die syrischen Astarte, die das goldene Ei der Sonne legt. In manchen Überlieferungen heißt es, die Urmutter wärmte ein Ei zwischen ihren Brüsten und ließ es Jahrtausende reifen. Als sich die ersten Sprünge in der Schale zeigten, nahm es die Göttin behutsam und legte es ins große Dunkel. Dort sprang die Schale auf und heraus fiel die ganze Welt, Erde und Wasser, Tiere und Pflanzen. Und aus dem Dotter entstand die Sonne. Und damit die Menschen sich an das große Werk der Schöpfungsgöttin erinnern, schlüpfen die ältesten Tierarten der Welt auch heute noch aus Eiern, den Urzellen allen Lebens.
Auch die Hasen, die sehr früh im Jahr Junge bekommen sind Symbol überquellender Fruchtbarkeit. Der Hase wird oft auch als der Mondhase der Göttin angesehen.
Feuer und Wasser
Ein wichtiger Brauch aus germanischer Zeit, ist bis heute das Entzünden der Osterfeuer auf den Hügeln. Diese gelten als Symbol für die Sonne. Der weithin sichtbare Schein des Feuers sollte den Äckern Segen und Schutz geben. Das Vieh wurde oft auch zwischen den Feuern durchgetrieben, was diese von Krankheiten bewahren und Fruchtbarkeit bringen sollte. Der Sprung über das Ostarafeuer sollte Glück bringen.
Die Kohle vom Ostarafeuer wurde mit nach Hause genommen, da sie Haus und Hof vor Blitzschlägen bewahren sollte. Die Asche der Feuer wurde auf die Äcker verteilt.
Auch Umzüge zur Weihe der Felder sind überliefert. Eine Abwandlung dieser Tradition finden wir heute in den Friedensmärschen zu Ostern.
Neben dem Feuer ist auch das Wasser ein wichtiges Element bei diesem Fest. Gerade in höhren Regionen tauen jetzt erst die Bäche auf und alle "Brünnlein beginnen wieder zu fließen". Welche Freude muss es früher gewesen sein, wieder frisches, klares Wasser zu haben. Ein wahrer Segen für unsere Ahninnen und Ahnen. Mit diesem Ostara-Wasser segnete man sich daher auch. Am frühen Ostaramorgen gingen zur Zeit des Sonnenaufgangs Mädchen zu einer Quelle im Wald oder auf den Wiesen, um Wasser zu holen. Dabei sollten sie nicht sprechen, also offenbar handelte es sich dabei um einen sehr meditativen Gang voll der Konzentration. Zum Wasser holen wurde auch ein Weidenzweig mitgenommen. Diesen steckten die Mädchen dann neben der Quelle in den feuchten Boden. Es galt als gutes Omen für das weitere Jahr, wenn er dort wurzelte und nach einiger Zeit ausschlug.
Das frische Quellwasser sollte gegen den Strom geschöpft werden. Man misst ihm besondere Heilkräfte bei. Es soll Haus und Familie vor Unglück schützen.
Auch im Christentum gibt es einen sehr ählichen Brauch. Das am Ostermorgen geschöpft Wasser wird in der Kirche gesegnet. Kinder die an diesem Tage mit dem Osterwasser getauft werden, sollen in Gottes Gnade besonders begünstigt sein.
In bäuerlichen Gemeinschaften wurde am Ostaramorgen das Vieh zu den
Quellen geführt, um es zu segnen, Gesundheit und Fruchtbarkeit zu
erbitten.
Die Sonne im Osten

Sprachethymologisch gibt es zwei Varianten zum Wort Ostara bzw. Osten:
Zum einen wurde aus Astarte in England "Easter" (= heute noch das
englische Wort für Ostern), in Angel-Sachsen "Eostre" und im Alpenraum
"Ostara".
Die Bezeichnung kann aber auch auf das
althochdeutsche "ostarun" für Morgenröte, die Sonne, die am Morgen im
Osten aufgeht zurückgehen (vgl. auch griech. - Eos) .
Die Göttin Ostara, oder auch Eostra, gilt ja auch als die Göttin der
Morgenröte, des Ostens und des Frühjahrs, die gerade zu ihrem roten
Aspekt erwacht.
Überliefert ist in vielen Teilen Europas der "Tanz der Sonne" am Ostermorgen. Sie soll nur an diesem Morgen des Frühlingsbeginns in drei Etappen aufgehen - die "drei Sprünge" der Sonne. In Schlesien heißt das "Sonnehoppen", in Westböhmen spricht man vom "Hupfa der Sonne". Menschen haben es ihr nachgemacht und sind in drei Sprüngen am Ostermorgen aus dem Haus gesprungen. Jeder Sprung mit einem Wunsch. Es war auch Brauch, am Vorabend oder in der Nacht zum Ostarafest hinaus auf einen Hügel zu gehen, um dort auf den Sonnenaufgang und die drei Sprünge zu warten, die man als Freudensprünge über den wiederkehrenden Frühling der Sonne nachmachte.
Schon in sehr alten Kulturen war der Sonnenstand an diesem besonderen Tag sehr wichtig. So konnte zum Beispiel in Stonehenge der Frühlingspunkt der Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März auf den Tag genau bestimmt werden.
Jemand, der sich mit der Sprache der Runen auskennt hat mir folgendes erzählt: Von der alten Sprach- und Lautgeschichte her, besteht "Os-tara" aus zwei Silben. "Os" ist Mund-Schoß-Erde-Geburt-Entstehung und "tar" bedeutet zeugen. Ostara könnte also mit Erd-Zeugung übersetzt werden. Auch die Himmelsrichtung Osten kommt von dieser ersten Silbe. Das Erscheinen des Lichtes wurde immer im Osten erlebt. Im Osten wird die Sonne „geboren“. Ab dem 21. März (bis 21. Juni) jeden Tag ein wenig früher.
Was uns in dieser Zeit besonders freut:
Es ist länger hell und es wird immer wärmer. Zarte Halme durchstoßen die Erdkrume - welch ungeheure Energie, die da tief aus dem Dunkeln kommt und zum Licht und zur Blüte strebt. Das was den ganzen Winter über im Inneren der Erde gehütet wurde, macht sich zum Durchbruch bereit und beginnt sich in leuchtender Farbenpracht der Welt zu zeigen. Weiden, Erlen, Haselnüsse beginnen zu blühen. Die ersten Blumen stecken ihre Köpfe aus der Erde. Krokusse, Primeln, Huflattich, Löwenzahn, Tulpen, Osterglocken sprießen. Ein neuer Duft erfüllt das Leben. Ein neuer Tanz beginnt.
Diese Vitalität spiegelt sich nicht nur in der Natur sondern auch in der Befindlichkeit der Menschen wider. Neubeginn, Aufbruch, Umbruch, Durchbruch, Erneuerung auf allen Ebenen findet nun statt. Das Sonnenlicht ist „wiedergeboren“ und wächst von Tag zu Tag.
Oft ist der Frühling in jeder Körperzelle zu spüren: Neue Kraft, Lebenslust und Lebensfreude beginnen sich breit zu machen, vieles geht nun leichter von der Hand, irgendwie entdecken wir die Welt neu.
Einige Anregungen für ein Ostara-Fest:
Segnen
der (Arbeits-) Felder
Früher wurden zu Ostara die Felder mit einem Segnungsritual - der Feldweihe – versehen. Vielerorts werden heute noch die Felder vor der Aussaat gesegnet. Dazu werden die Felder abgeschritten und an jeder Ecke des Feldes heilige Kräuter, meist Pfefferminze, Schlüsselblume und Äste des Weidenbaumes, zusammen mit einer Kerze in den Boden gesteckt. Während des Rituals wird um eine reichhaltige Ernte und um Schutz für die Felder gebeten.
Dieses Ritual kann auch in kreativer Art und Weise für unsere „Arbeitsfelder“, die Projekte, die wir jetzt in Angriff nehmen, umgewandelt werden. Welche Saat soll aufgehen? Welches „Feld“ soll heuer in besonderer Art und Weise bestellt werden? Für welche Aussaat (für welche Pläne und Wünsche) möchte ich den Segen des Kosmos, die Unterstützung der erwachten Frühlingsgöttin?
Spiritueller
Frühjahrsputz
Wenn sich die Natur „putzt“ und „schmückt“, alles neu, rein und frisch ist, bekommen viele Lust dazu, es ihr nachzumachen. Die Zeit rund um den Frühlingsbeginn eignet sich hervorragend dafür, den Winter endgültig hinauszuwerfen – aus den Gedanken, dem Gemüt aber auch durchaus auch im materiellen Sinne. Welche Freude, die Winterklamotten wegzuräumen, nicht mehr aktuelle Dinge zu entrümpeln, Frühjahrsputz zu machen. Hat man das nicht schon zu Imbolc, dem Fest der Brigid in Angriff genommen, so ist jetzt eine gute Zeit, sich von Altem endgültig zu lösen und etwas Neues anzufangen. Viele machen daraus echt ein Fest! Alles wird frisch und leicht, die Winterschwere fällt fast wie von selbst ab. Als Abschluss und Krönung, wird in die frischen, sauberen, leergeräumten Zimmer der erste Frühlingsblumenstrauß gestellt.
Fegen
und pflanzen
Auch körperlich haben viele nun wirklich Lust auf Bewegung und Reinigung. Fastenkuren haben Hochkonjunktur. Jetzt kann man sich gut von altem Ballast trennen, die Spinnweben aus dem Haus, aus dem Körper, den Gedanken und Gefühlen fegen. Frauenkreise rücken mit ihren magischen Besen aus, um sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Wenn mit einem Besen etwas wirklich aus dem Haus bzw. von sich weggefegt wird, ist das eine sehr anschauliche Bekräftigung. Noch wirkungsvoller wird dies, wenn man dazu wohlmeinende Menschen hat, die das unterstützen und bezeugen.
Dieses aus dem Haus-, bzw. aus dem eigenen Kreis-Fegen ist ein sehr kraftvolles Ostara-Ritual. Jede nimmt ihren Besen und sagt: „Ich fege hiermit meinen Ärger auf ..... (meinen Frust über ....., meine Trägheit, meinen Kummer – was auch immer wirklich nicht mehr brauchbar ist) weg.“
Wichtig ist bei solchen magischen Handlungen immer etwas sinnvolles an dessen Stelle zu setzen. Wer kennt das nicht – da räumt man den Schreibtisch oder eine dunkle Ecke endlich frei und – schwuppdiwupp – stellt irgendwer was auf den freigeräumten Platz und schon ist wieder alles zugemüllt. Um das zu verhindern, sollte man im materiellen, wie auch im übertragenen Sinne selbst etwas Schönes oder Sinnvolles an die Stelle des Entsorgten setzen. Hier eignet sich entweder ein Frühlingsblumenstrauß, noch besser ist es, einen Keim, eine neue Saat in einem Blumentopf oder ins Freie zu pflanzen, der man bei ihrem Wachstum zusehen kann: „Und ich setze auf die leer gewordene Stelle eine neue Saat der Fröhlichkeit (des Wohlbehagens, einer neuen erfüllten Liebe, eines achtsameren Umgangs mit mir selbst – was immer gerade die wunderbarste Vision ist, einen schönen Frühling zu haben).“
Eier
und Wiedergeburt
Hat man das Gefühl, früher war einiges besser und im Laufe der Zeit oder im letzten Winter ist etwas verloren gegangen bzw. aus dem eigenen Leben verschwunden, so eignet sich nun ein Ritual der „Wiedergeburt“. Es geht dabei weniger um verloren gegangene Menschen oder Dinge sondern vielmehr um Gefühle, Lebensumstände oder Fähigkeiten. Also z.B. um das Gefühl der Kraft, um Motivation oder Lebensfreude, um Zeit für kreative Tätigkeiten, um Ruhe und Seelenfrieden oder etwas, das man früher schon gut konnte, das nun lange brach gelegen ist und das nun wiedererweckt werden soll (z.B. eine Fremdsprache, Tanzen, ein Musikinstrument spielen etc:)
Dazu wird ein rohes Ei vorsichtig in einen Topf mit kochendem Wasser gesetzt. Mit der Vorstellung, dass dieses verloren gegangene Gefühl, diese Kraft oder Fähigkeit tief in diesem Ei verborgen ist schaut man mindestens fünf Minuten auf das Ei im brodelnden Wasser. Dabei sollte man sich selbst möglichst detailreich mit der wieder erlangten Fähigkeit, der wiedergeborenen Kraft visualisieren. Danach das Ei aus dem Topf nehmen und sobald es ausgekühlt ist, mit einem entsprechenden Symbol bemalen.
Nun gibt es einige Möglichkeiten: Schön ist es immer, damit hinaus zu gehen und dies vom „wiedergeborenen“ Licht bescheinen und von diesem segnen zu lassen. Anschließend kann es rituell – vielleicht mit den ersten Frühlingskräutern gewürzt – verzehrt werden, um damit diese Kraft in sich aufzunehmen. Oder es wird damit „Mutter Erde“ gefüttert. Dazu vergräbt man das Ei möglichst in der Nähe des eigenen Hauses oder an einem Platz, an dem man immer wieder vorbeigeht. Jedesmal, wenn man an diesem Platz vorbeigeht, sollte man einen Moment innehalten und sich den Wunsch, die Vision, was nun wiedergeboren werden soll, vergegenwärtigen und bekräftigen. Die Schale des Eies wird sehr bald zerbrechen, der Dotter wird sich auflösen und sich mit dem Zyklus der Erde von Vergehen und Wiedergeburt verbinden.
Balance
Der 21. März ist einer der beiden Tage im Jahr in der es die absolute Balance zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Tag und Nacht gibt. Gut nutzen kann man diese große Balance, um auch etwas, von dem man spürt, dass es im eigenen Leben, im Körper, in den Gefühlen in Inbalance geraten ist, wieder ausgleicht. Vielleicht reicht dazu schon ein ausgedehnter Spaziergang, der alle Sinne anregt. Inspiriert davon kann man möglicherweise sehr deutlich spüren, was zu tun oder zu lassen ist, damit die Balance wieder hergestellt wird. Gut sind auch alle möglichen Balance-Übungen – sich auf eine Kinderwippe stellen und im Gleichgewicht bleiben, über einen schmalen Balken balancieren, längere Zeit auf einem Bein stehen u.s.f.
Fein sind nun auch Baumrituale: Dazu lässt man sich von einem Baum „finden“ und bittet um sein Einverständnis, mit ihm ein Ritual machen zu können. Nachdem 3x der Baum umkreist wurde, verweilt man an den Baum gelehnt jeweils für einige Zeit in jeder Himmelsrichtung. Jede Richtung symbolisiert für diese Zeit des Rituals jeweils einen Teil des eigenen Lebens: Also Gefühle, Geist/Intellekt, Körper/Materielles sowie Lebensfunken/Spiritualität/Kreativität.
Nun kann man sich Fragen stellen, z.B.: Wie geht es mir mit meinen Körper? Wann hab ich zuletzt etwas gemacht, dass mich so richtig inspiriert, meine Kreativität angeregt hat? Woher beziehe ich meine Informationen, was tue ich, um meinen Geist zu schärfen? Sind meine Gefühle im Fluss? u.s.f.
Ziel dieses Rituals ist es, sich darüber klar zu werden, ob da zwischen diesen einzelnen Anteilen Ausgeglichenheit oder eine Schieflage herrscht. Sehr schön deutlich wird bei solchen Baumritualen meist, was zu tun ist. Oft sind es kleine Aufgaben (mit großer Wirkung), die vom Baum mitgenommen werden. Am Ende des Rituals sollte man sich vom Baum verabschieden und mit etwas sehr Persönlichem (z.B. ein paar Haare oder etwas Spucke) bedanken.
Verbindung mit der Natur und den Elementen
Die frisch erwachte Natur mit allen Sinnen wahrnehmen - was könnte sinnvoller sein an diesem Morgen. Wir können es unseren Ahninnen nachmachen: Mit drei Freudensprüngen aus dem Haus hüpfen, schweigend zu einer Quelle gehen, Wasser schöpfen, einen Weidenzweig neben die Quelle stecken, sich selbst, das Haus, die Familie und alles was wichtig erscheint, mit diesem Wasser segnen. Anschließend ein Osterfeuermachen, einen Osterkranz backen, ein rotes Ei zum Herbeirufen eines fruchtbaren Jahres in die Mitte legen.
Einfach
feiern ...
Nach der langen Zeit der Innenorientierung beginnt nun wieder die Zeit der vermehrten Außenkontakte. Fein ist es, einfach den Frühling zu feiern - im Freundeskreis gemeinsam etwas frühlingshaft-Leichtes zu kochen und mit den ersten jungen Triebe der Kräuter zu würzen. Diese tragen noch die ganze Kraft in sich, die sie im Winter gesammelt haben und die sie brauchten auf dem Weg nach oben. Mit Kindern Ostereier bemalen – vielleicht diesmal auf eine etwas andere Art und Weise – als Wunsch- oder Orakeleier, die man sich dann gegenseitig auf einem Ostara-Spaziergang versteckt und wiederfindet.
Wie immer ihr in den Frühling hineintanzt, euch hineinzaubert oder einfach hineinspaziert -
ich wünsche euch eine lustvolle Zeit mit Ostara und all den anderen Göttinnen
Andrea Dechant
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